Der Beste der Besten?
Ein bekannter Autor nannte den Prophet-5 einmal "the world's
first sexy synthesizer". Wie auch immer man das nun definieren
mag, für Aufsehen sorgte der "Pentha-Phone" aus
dem Hause Sequential 1978 auf jeden Fall. Ebenso in den folgenden
Jahren. Und im Grunde bis heute. Der Prophet-5 ist und bleibt
einer der leistungsfähigsten Analogsynthesizer aller Zeiten.
Gemessen an vergleichbaren Instrumenten wie dem Jupiter-8, Synthex,
Memorymoog oder OB-Xa/OB-8 wage ich sogar die Behauptung, dass
er - eventuell mit Ausnahme des Memorymoog - der leistungsfähigste
und vielseitigste aller "Klassiker" ist.
[Was Klangstärke/Power betrifft, ist natürlich
Yamahas CS-80 unangefochten der Größte.]
Dave Smith...
... heißt der geistige Vater dieses Ausnahmesynthesizers.
Er schaffte es, nach bescheidener Entwicklungszeit von einem halben
Jahr (!), den Prophet-5 im Herbst 1978 auf den Markt zu bringen.
Fairerweise muss man sagen, dass Smith auf eine ganze Reihe von
"Hilfen" zurückgreifen und so die Fertigstellung
des Instruments vorantreiben konnte. Als Vorbild für den
Prophet-5 galt in erster Linie der Minimoog (quasi "DER ideale"
Monophone). Das lässt sich optisch leicht erkennen: der Prophet-5
hat eine sehr ähnliche (schöne) Holz/Metall-Konstruktion
und die Spielhilfen des Minimoog - Pitchbend und Modulationswhell
- wurden identisch übernommen. Weiters "lieh" sich
Smith das Patent zur Tastatur von EMU, und zu guter Letzt halfen
nicht wenige Künstler mit nützlichen Ratschlägen,
um dem Prophet-5 sein extrem Musiker-freundliches Gesamtkonzept
zu verleihen.
Ursprünglich hätte dieser Synthesizer
"Model 1000" heißen sollen. Doch niemand geringerer
als Rick Wakeman (seinerzeit begeisterter User von Sequentials
Sequenzern) meinte dazu: "you have to give it a name".
So rief Sequential ein Preisausschreiben ins Leben, um von allen
Einsendungen den "beliebtesten Synthesizer-Namen" herauszufinden.
Fast wäre es der "SEER" geworden, doch letztlich
entschied man sich doch für "PROPHET". Für
die unübliche Konzeption eines fünfstimmigen Instruments
ist dann noch die Tatsache verantwortlich, dass sich der neue
Prophet bewusst von Konkurrenzprodukten abheben sollte. Da es
4, 6 und 8-stimmige Synthesizer am Markt schon gab (ein 7-stimmiges
Instrument wohl aus Kostengründen nicht in Frage kam), entschied
man sich für die pentaphone Version: der Prophet-5 war geboren.
Nach sehr erfolgreichem Start im
Jahre 1978 entwickelte sich der Prophet-5 zum bestverkauften (professionellen)
Instrument der Firma Sequential. Von 1978 bis 1984 wurden immerhin
8000 Stück produziert, womit der Prophet-5 die bereits genannten
"Kollegen" eindeutig überrundete, die (allerdings
bei deutlich weniger Produktionsjahren) meist die 3000 Stück-Grenze
nicht übersteigen konnten (Synthex: 2400 Stk., Memorymoog:
3000 Stk...).
Dass der Prophet-5 heute dennoch nicht sehr häufig
am Gebrauchtmarkt zu finden ist (liegt daran, dass schon alle
kaputt sind, scherz) zeigt deutlich, dass diese Legende ihren
festen Platz in zahllosen Studios wohl schon für immer gefunden
hat.
Aufbau und Verarbeitung
Jede Stimme des Prophet-5 verfügt über...
· 2 VCOs
· LFO
· VCF
· 2 Hüllkurven
VCA
· Polymodulation
Weiters findet man...
· Mixersektion
· Kassetteninterface
· A-440 Testton (sehr nützlich!)
· Unisono-Schalter (10 VCOs !)
40 bis 120 Speicherplätze (je nach
Version)
· Portamento
· Gute fünfoktavige Tastatur
Die zuletzt genannte Tastatur ist
ein wichtiger Punkt. Sie ist wirklich angenehm zu spielen und
von hoher Qualität (besser als die eines Jupiter-8 oder OB-Xa/OB-8).
Ebenso ist die gesamte Verarbeitung des Instruments vorbildlich.
Die Holzpartien sind von höchster Qualität und machen
den Prophet-5 zu einem optischen Genuss. Die Potis und Tipptaster
sind sehr professionell und angenehm zu bedienen. Nur das Innenleben
des Prophet ist mit Elektronik beinahe überfrachtet. So gilt
der Prophet-5 auch als etwas "anfällig", weshalb
ein fester Platz in einem Studio wohl auch sein bester Platz ist.
VCOs
Die VCOs verfügen über
Sägezahn, Sinus (VCO2) und modulierbare Pulswelle. Über
"SYNC" werden sie (welch Wunder) synchronisiert, was
bei Leadsounds (und das gerade beim vielseitigen Klang des Prophet-5!)
unerlässlich wichtig ist. Da schon ein einzelner VCO ordentlich
Druck machen kann, lässt sich VCO2 mit "LO FREQ"
zum LFO umfunktionieren. Im Zusammenspiel mit der Polymodulation
ist dies der Quell manch echt abgedrehter "spaciger"
Sounds.
Als Besonderheit des Prophet-5 ist die Anwahl der Wellenformen
zu sehen: die Tipptaster können einfach alle aktiviert werden,
d. h. nicht EINE Wellenform steht pro VCO zur Verfügung,
sondern - je nach Wunsch - sogar ALLE gleichzeitig (ein Feature,
dass stark an den ARP 2600 erinnert).
VCF
Das Filter des Prophet-5 ist (rein
von den Fakten her) absolut klassisch aufgebaut. Schade, dass
die "KEYBOARD"-Funktion (Filter öffnet sich zunehmend
mit höheren Tasten, sehr gut für Solo- und Leadsounds)
nur entweder ein- oder auszuschalten ist. Allerdings ist der voreingestellte
Wert beim Prophet-5 sehr "musikalisch" gewählt,
was die Einschränkung dann weniger schmerzlich erscheinen
lässt.
Was dieses Filter - meiner Meinung nach - auszeichnet, ist seine
außerordentliche klangliche Qualität. Zwar bietet sich
"nur" ein Low-Pass-Modus an (hier kann der Synthex mit
ganzen vier(!) Betriebsarten wiederum glänzen), doch ist
dieses LowPassFilter schlichtweg eins der Besten der gesamten
Synthesizer-Geschichte.
Gerade bei hoher Resonanz ergibt sich hier ein Pfeifen (Schmatzen,
wie immer Sie es nennen wollen...), das zwar jeder kleine Analoge
in irgendeiner Weise zu beherrschen scheint, doch das beim Prophet-5
für außerordentlichen Hörgenuss sorgt, und dessen
Klang allenfalls mit "HiFi" bezeichnet werden kann.
Der Frequenzgang, der aus diesem Synthesizer kommt, ist unglaublich
- er scheint oben fast im "Ultraschall-Bereich" zu beginnen.
Das ist natürlich nicht der Fall, aber es "klingt"
danach.
[Klangbeispiel p5_fx3 besteht zu 100% nur aus
resonierendem Filter, die Oszillatoren sind gar nicht eingeschaltet.
Leider ist bei MP3-Files der "Hifi"-Klang aber bestenfalls
zu "erahnen", da müssen Sie schon selbst einen
Prophet-5 aufsuchen.]
VCA and more
Im Bereich der VCA-Sektion findet
man einige sehr nützliche "Zugaben". Neben der
obligaten VCA-Hüllkurve sind hier ein Poti für die Gesamtlautstärke,
ein Master-Tune-Regler, die Autotune-Funktion (Stimmen ist doch
ab und zu sehr notwendig) und der A-440-Schalter zu finden. Wie
schon beim Minimoog bekommt man hier auf Knopfdruck einen "Testton"
in der exakten Höhe von 440 Hz (a1) geliefert. Sehr nützlich
für alle, die kein absolutes Gehör besitzen. Das Cassetten-Interface
schließlich ist ohnehin sehr wichtig, da mit den 40 Speicherplätzen
(bei den meisten Prophet-Modellen) langfristig kein Auskommen
ist.
Der RELEASE-Schalter sei noch erwähnt.
Wird er aktiviert, so wird die Release-Zeit auf 0 gesetzt, was
gerade bei Solo-Sounds sehr effektiv ist, zumal das Ein- und Ausschalten
auch während des Spielens schnell vonstatten geht.
Polymodulation
Diese Sektion ist dafür verantwortlich,
dass der Prophet-5 im Vergleich zu anderen Synthesizern eindeutig
"die Nase vorn hat". Mit ihrer Hilfe lassen sich abgedrehteste,
schrägste Modulationen erzeugen. Da die Logik der Polymodulation
bei komplexeren Einstellungen aber nicht mehr unbedingt intuitiv
ist, entstehen so manche Sounds eher durch Zufall. Dennoch: die
Ergebnisse sprechen für sich.
[Klangbeispiele pro5_fx1 und pro5_fx2 sind beide
Schöpfungen der Polymodulation]
Anschlüsse
Machen wir's kurz: ein (Mono)Ausgang (nicht abgebildet),
CV/GATE-IN und -OUT für EINE Stimme des Propheten (dann quasi
ein Luxusmodell des Pro-One), Filter- /Amplifier-IN, Release-Footswitch
und Cassetten-IN/OUT. Ab Rev3.3 zudem MIDI.
Klang
Mir ist es früher (als Nicht-Prophet-Besitzer) folgendermaßen
ergangen: "Ach ja, noch so ein Synthi mit den tollen weichen
Streichern". Das war's. Heute - um einen Klassiker bereichert
und um viele Euro erleichtert - sieht die Sache anders aus. Der
Prophet-5 kann - zugegeben - Streicher- und Bläsersounds
höchster Qualität liefern (aber das können manch
andere auch, und die breiten tiefen Klangteppiche eines Synthex
beispielsweise sind ohnehin nicht zu übertreffen). Darüber
hinaus aber bietet das Instrument sehr gute Bass-Sounds, coole
Filter-Sweeps, E-Gitarren-ähnliche Hammerklänge (Unisono-Modus),
Leadsounds aller Art, Fx-Klänge der Polymodulation (für
die es ohnehin keinen Vergleich gibt), oder kurz gesagt: das gesamte
analoge Klangspektrum in bester Qualität.
Was Sie natürlich NICHT erwarten dürfen,
ist der sehr eigenständige (und ebenso unverzichtbare) Klangcharakter
eines polyphonen Yamaha CS, oder eines Korg PS-Gerätes. Das
alles kann kein Synthesizer auf einmal bieten. Wenn Sie aber Ausschau
nach einem Universal-Analogen für ihr Studio halten, dann
sollten ihre klanglichen Wünsche mit dem Prophet-5 bestens
abgedeckt sein.
Fazit
Es gibt nicht viel GEGEN einen Prophet-5 einzuwenden. Schade,
dass nur ein einzelner Mono-Ausgang zur Verfügung steht.
Die fünf Stimmen - ähnlich dem Xpander - einzeln abgreifen
und dann im Stereopanorama verteilen zu können, dass wäre
echter Luxus. Dass es keine Möglichkeit gibt, Sounds zu Layern
oder zu Splitten, macht zudem einen großen Unterschied zu
Jupiter-8 / Synthex / OB-Xa bzw. OB-8.
Manche Prophet-5 gibt es heute noch ohne MIDI
(so etwa mein Modell), da wäre eine Nachrüstung (ca.
450 Euro inkl. Einbau) noch zu berücksichtigen. Preislich
steht es gar nicht so schlimm um den "King of the Classics":
1400 bis 1750 Euro für einen Prophet-5 mit MIDI sollten realistisch
sein.
Sicher hängt der Wert auch von der
jeweiligen Version ab. Manche Musiker rühren nur ein Rev2-Modell
(SSM-Chips) an. Andere wiederum sagen, die letztgebauten Modelle
(Rev3.3) sind die besten. Wer sich für die Unterschiede der
einzelnen Versionen interessiert, sei auf Peter Forrests "Synthesizer
of A-Z" verwiesen. Hier finden Sie eine genaue Aufstellung,
wann und mit welchen Updates die einzelnen Modelle erschienen.